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«Wer nicht stehen bleiben will, kauft jetzt Turnschuhe!»

Ein Interview zur Digitalisierung im Bauwesen mit Pol Budmiger, Verwaltungsrat von ewp.

Wie verändert sich der Alltag einer Ingenieurin oder eines Ingenieurs im Zuge der Digitalisierung?

Beim Gespräch rund um die Digitalisierung im Bauwesen erklären mir die Vertretenden der Ingenieurbranche oftmals, dass sie schon lange digital arbeiten und dass die Digitalisierung nur ein Hype sei. Seit rund 30 Jahren werde ja bereits CAD-Software verwendet und damit wurde das Reissbrett längst verdrängt. Die Bauingenieure und Bauingenieurinnen arbeiteten also bereits digital.Es ist typisch, dass die Digitalisierung oft mit Tools gleichgesetzt wird. Das mag für die Vergangenheit zutreffen, ist aber trügerisch für die Zukunft. Bei der Digitalisierung, von der wir heute sprechen, geht es nicht primär um Software-Tools, sondern um den durchgängigen, digitalen Arbeitsprozess von der Entwurfsphase über den Bau bis zum Betrieb.

Es geht also nicht um einzelne digitale Schritte und Werkzeuge, sondern um die Überwindung der analogen Zwischenschritte im Gesamtprozess. In der Ingenieursprache: Es geht um den Bau einer ganzen Brücke und nicht nur eines einzelnen Bauelementes! Nehmen wir gerade den Brückenbau als Beispiel: Der klassische Bauprozess wird sich mit der Digitalisierung nicht komplett ändern, denn auch in Zukunft braucht es eine fehlerfrei berechnete Statik und eine saubere Bauausführung, damit das Bauwerk seinen Zweck sicher und lange erfüllen kann. Jedoch wird sich der Arbeitsprozess des Ingenieurs und die Interaktion mit allen am Bauprojekt beteiligten Personen deutlich ändern. Die Digitalisierung wird die Koordination vereinfachen und gewisse – heute oft mühsame – Arbeitsschritte wie Qualitätskontrollen, Reporting, Planabgleich automatisieren. Damit bleibt mehr Zeit für die Klärung der Bedürfnisse der Endnutzer/innen und die Lösungsfindung von neuen bautechnischen Herausforderungen. Es tönt wie ein Widerspruch, aber ich habe persönlich die Hoffnung, dass dank der Digitalisierung die Menschen wieder stärker ins Zentrum rücken. Vielleicht gelingen mit einer engeren Zusammenarbeit von Ingenieuren und Architektinnen sogar vermehrt ästhetisch schöne Ingenieurbauten und nicht nur sogenannte Zweckbauten. Ich sehe hier eine grosse Chance für ewp mit ihrer ganzen Vielfalt an Know-how!

Welches sind die für unsere Branche wirklich zentralen (digitalen) Veränderungen? 

Die Baubranche wird nicht von heute auf morgen komplett neu erfunden werden. Beton wird Beton bleiben, wobei es auch bei Baumaterialien viele Innovationen gibt, mit denen zum Beispiel deutlich weniger klimaschädlicher Zement benötigt wird oder individuelle Betonelemente ohne Schalung direkt mit dem 3D-Drucker hergestellt werden können. Durch die enge Verbindung mit den Hochschulen bleiben wir hier bei ewp am Ball! Die zentralen Veränderungen werden in den Planungsprozessen und in der Art und Weise der Zusammenarbeit zwischen allen am Bau beteiligten Partnern erfolgen. Aus bereits laufenden Projekten im Ausland wissen wir, dass sich bisherige Vorgehensweisen in der Planung stark ändern werden. Eine gewisse Verunsicherung spürt man bereits heute bei den im Rahmen von BIM (Building Information Modelling) geführten Diskussionen zu den über Jahrzehnte in der Schweiz bewährten und zementierten SIA-Bauphasen. Ist dieses klassische «Wasserfall-Modell» mit einer schönen Abfolge noch überall sinnvoll? Oder sind agile Ansätze, so wie sie in der Softwarebranche bereits etabliert sind, allenfalls sogar in der Baubranche denkbar? Viele Baufachleute betrachten solche Gedankenspiele im Moment vermutlich noch als Hirngespinst. Oder gar als Einmischung der «Softies» in ihre Jahrtausende alte Baukunst. Sofort kommen dann noch Einwände, dass  das ja gar nicht planbar ist. Dass die  Lieferanten und Handwerker nicht mitmachen werden. Dass gewünschte Leistungen so gar nicht ausgeschrieben und offeriert werden können und dass es gemäss den heutigen Normen und Richtlinien gar nicht erlaubt ist. Diese Gegenargumentation ist ganz normal und ich kenne diese persönlich aus unterschiedlichsten Branchen. Dabei fällt mir folgendes Zitat aus dem Jahr 1945 von Hans-Jürgen Quadbeck, einem deutschen Chemiker ein: «Es gibt Menschen, die werden erst dann kreativ, wenn sie eine Innovation verhindern wollen». Diese Widerstände gilt es zu nutzen! Widerstand ist ein deutliches Zeichen dafür, dass ein neuer Denkprozess in Gang gesetzt worden ist! Manchmal muss man etwas provozieren, damit etwas passiert. Wenn man provoziert, muss man auch etwas einstecken können. Wie oft wurde ich nach kritischen Anmerkungen schon in Frage gestellt? Wie oft habe ich mich schon blamiert? Hauptsache ich konnte in der Sache etwas damit bewegen! Gar keine Reaktion wären ja viel schlimmer, denn dann würde die ganze Veränderung ignoriert. Und Ignoranz und Stillstand wäre absolut fatal!

Wie schnell werden diese Veränderungen geschehen? 

Veränderungsgeschwindigkeiten bei digitalen Innovationen sind sehr schwierig einzuschätzen. Eines ist klar: die Innovationszyklen haben sich enorm beschleunigt. Vor hundert Jahren hatte ein Geschäftsmodell über Jahrzehnte bestand. Heute sind es vielleicht noch einige Jahre. Alles wird schneller, auch wenn es grosse Unterschiede geben kann.Oft gibt es eine Anfangseuphorie beziehungsweise einen Hype – zurzeit ist gerade Künstliche Intelligenz ganz oben in der Hitparade – und dann kommt eine trügerische Ruhe, weil die angekündigten digitalen Innovationen die sehr hohen Erwartungen noch nicht erfüllen. Die Bewahrer fühlen sich dann in ihrer bisherigen Position bestärkt. Doch wirklich bahnbrechende Innovationen entwickeln sich in diesem sogenannten Tal der Ernüchterung kontinuierlich weiter und sobald sie sich dann auf dem Markt durchzusetzen beginnen, ist es meist schon zu spät. Die Bewahrer werden auf dem falschen Fuss erwischt und können nicht mehr rechtzeitig auf den nun rasch beschleunigenden Zug aufspringen. Das wäre dann eine disruptive Innovation, die nicht allzu häufig vorkommt, aber dann grosse Umwälzungen bringen kann. Denken wir zum Beispiel an die Digitalfotografie, welche Weltkonzerne wie Kodak einfach ausradiert haben, obwohl Kodak die Technologie gehabt hätte, aber die Situation falsch eingeschätzt hat. Ich bin überzeugt, dass «digitales Bauen» das Potential für eine Disruption hat. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass heute noch analoge Planungsschritte plötzlich wegfallen oder branchenfremde Anbieter ganze Wertschöpfungsketten übernehmen. Es gibt zum Beispiel in Norwegen bereits Tunnelbauprojekte, wo kein einziger Papierplan verwendet wird. Die digitalen Planungsdaten werden direkt auf die Tunnelbohrmaschine gespielt. Wir in der Schweiz haben einen Rückstand und die Baubranche muss auf der Hut sein und rechtzeitig Erfahrungen sammeln und mitgestalten, um nicht überrascht zu werden! Wer noch nicht mit der Digitalisierung begonnen hat, muss jetzt rasch vorwärts machen und die warmen Hauspantoffeln gegen Turnschuhe auswechseln, um nicht schon jetzt abgehängt zu werden. 

Worin bestehen die grössten  Hindernisse?

Beim Schuhe wechseln muss man sich in der Regel bücken, zumindest  wenn man sie noch binden muss. Und dieser Vergleich ist gar nicht so daneben, denn das grösste Hindernis bei Veränderungen sind wir Menschen! Von Natur aus ist die grosse Mehrheit der Menschen bequem und liebt die Komfortzone. Veränderungen werden eher als mühsame Störung empfunden. Sind wir doch ehrlich mit uns; jede Neuerung bedeutet Unsicherheit: wir können nicht mehr von unseren Erfahrungen, etablierten Prozessen und unserem Wissensvorsprung profitieren. Plötzlich wird der Spezialist oder die Managerin wieder zum Lernenden. Ich werde wegen meiner beruflichen Vergangenheit vermutlich –  zumindest von aussen betrachtet –  eher als Innovator und Antreiber der Digitalisierung betrachtet. Doch wie oft muss ich meinen inneren Schweinehund überwinden, um mich in ein komplett neues Thema einzuarbeiten.Es ist doch gleich wie im Sport: Man muss die Komfortzone verlassen. Es braucht Selbstüberwindung und Selbstdisziplin, immer wieder Neuland zu betreten, die Grenzen auszuloten und das Risiko einzugehen auch mal an gesetzten Zielen zu scheitern. Wir können in einem Unternehmen diese Hürden nur mit einem Kulturwandel überwinden, indem wir das oft genannte lebenslange Lernen auch attraktiv machen und bewusst fördern. Die ganze Belegschaft vom obersten Management bis zum Lernenden muss Unsicherheiten des technologischen Wandels als Chance betrachten und daran Freude bekommen. Ganz entscheidend dafür ist, dass wir beim Erkunden von Neuem auch bewusst Fehler zulassen. Das ist mit einer Ingenieurdenke mit Null-Fehler-Toleranz nicht immer ganz kompatibel. Man muss also bewusst abwägen, wann man in welchem «Modus» unterwegs ist. So dürfen zum Beispiel die Statiker bei ewp beim Brückenbau weiterhin keine Fehler machen und sollten sich trotzdem auf den digitalen Brückenschlag einlassen und in nicht sicherheitsrelevanten Punkten neue Sachen ausprobieren.

Wie können wir die Hürden überwinden?

Um Hürden zu überwinden, muss man diese zuerst erkennen, denn sonst stolpert man einfach hinein und landet auf dem harten Boden. Aber wie erkennt man diese und wie behalten alle Beteiligten im Umfeld der Digitalisierung den Überblick? Wir Bauleute – egal ob auf Seite Auftragnehmerin oder Auftraggeber – sind intensiv gefordert, denn wir müssen von der Rolle des Benutzers von Anwendungen (Apps) plötzlich die ganz andere Rolle des (Mit-)Entwicklers und -Denkers übernehmen. Jeder Mitarbeitende von ewp muss sich noch intensiver in die Sicht unserer Kunden versetzen. Manchmal auch bewusst Gespräche führen, die sich nicht nur ums eigentliche Bauprojekt drehen, sondern vielleicht um den vor- und nachgelagerten Prozess. Wir müssen als Unternehmen auch die noch nicht so offen ausgesprochenen Herausforderungen unserer Kundinnen und Kunden kennen, um zukünftige Angebote zu entwickeln. Und ganz wichtig: wir müssen unsere Kunden in die neuen digitalen Prozesse einbinden und sie zum Mitmachen motivieren! Dieser Rollenwechsel und die neue Art der Zusammenarbeit erfordert eine neue Denkweise – diese in einem Unternehmen zu entwickeln ist erfahrungsgemäss nicht ganz einfach. Bildlich gesprochen: ewp und Kunden müssen sich gemeinsam für ein Hürdenrennen anmelden! Im ersten Anlauf wird es vermutlich nicht zum Sieg reichen, aber die Ziellinie wird man wahrscheinlich erreichen und man ist um wertvolle Erfahrungen reicher. Ganz entscheidend ist also das MACHEN! Man muss so lange üben, bis man die Hürden möglichst elegant überspringt. Im Training geht es neben technischen Fähigkeiten vor allem auch um Wille und Ausdauer! Es wird viele Rückschläge geben. Wichtig ist, dass man wirklich beginnt und nicht nur diskutiert und zaudert. Die Turnschuhe gehören ja auch nicht einfach ins Schuhgestell, sondern an die Füsse! Und wie war es schon wieder mit dem Bücken?

Was wünschst du dir für  die Zukunft von ewp? 

Turnschuhe für alle Mitarbeitenden! Ganz analog! Es ist erwiesen, dass bei einer gewissen sportlichen Aktivität, die Lernfähigkeit zunimmt, gute Ideen entstehen oder knifflige Probleme gelöst werden können. Zudem können bei Teamsportarten auch noch soziale Kompetenzen gefördert werden. Ich bin immer wieder begeistert, wenn ich die Firmenkultur von ewp spüre und die Fach- und Sozialkompetenz der Beleg-schaft erlebe. Hier liegt viel Potential, insbesondere in der bei der Digitalisierung wichtigen interdisziplinären Zusammenarbeit. Der Erfolg einer Digitalisierungsstrategie hängt nicht primär von der Software ab, sondern von der Innovationskultur in der Firma und der Bereitschaft aller Beteiligten. Digitalisierung gelingt nur wegen und mit Menschen! Konsequenterweise bräuchte es dann auch noch Turnschuhe für die Kunden und Partner von ewp. Wenn die Digitalisierung gelingen soll, dann braucht es Auftraggeber und Auftragnehmerin, die gemeinsam etwas Neues anpacken wollen. Also Turnschuhe für die ganze Baubrache! Ob da die SUVA einverstanden ist? Ich freue mich darauf, mit ewp den digitalen Weg weiterzugehen. Meine Turnschuhe sind geschnürt. 

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«Mich freut es, dass ich mit ewp einen Arbeitgeber gefunden habe, wo Wertschätzung, Respekt und Freundlichkeit gelebt werden. An meinem Job als Mitarbeiterin im Human Resources reizt mich besonders die Abwechslung, welche bei 220 Mitarbeitenden in vielen unterschiedlichen Berufen und Arbeitsgebieten garantiert ist.»


Corina Huber
Sachbearbeiterin HR