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Begleitung eines spannenden Brückenwettbewerbes

ewp durfte im Auftrag der Rhätische Bahn AG (RhB) einen anonymen Projektwettbewerb im Einladungsverfahren für den Ersatz der Poschiavinobrücke Miralago auf der Berninalinie von St. Moritz nach Tirano, welche Bestandteil des UNESCO Weltkulturerbes der RhB ist, begleiten – eine sehr spannende Aufgabe.

1908 wurde die Poschiavinobrücke Miralago erstellt. 112 Jahre nach ihrem Bau ist der stählerne Überbau am Ende seiner Lebensdauer angelangt und muss wegen Überalterung und technischer Inkompatibilität durch einen Neubau ersetzt werden. Das Tiefbauamt des Kantons Graubünden plant zudem im Zusammenhang mit der Erschliessung des nahegelegenen Steinbruchs Motta die Miralago einen erweiterten Anschluss Miralago Süd mit einer separaten Linksabbiegespur für den Verkehr von Norden in Richtung Motta die Miralago. Die neue Strassenlage tangiert im Bereich der Zufahrt zur Poschiavinobrücke das bestehende Bahntrassee. Die Linienführung der Bahn muss deswegen angepasst werden, dadurch verschiebt sich auch die Lage der Bahnbrücke. Die bestehende Steinbogenbrücke, welche im Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) verzeichnet ist und als Erschliessung des Steinbruchs dient, bleibt bestehen.

In der Kernzone des UNESCO-Welterbes: Denkmalpflege
Bauten, die sich unmittelbar an oder in der Nähe von Bahnanlagen auf der Strecke des UNESCO Weltkulturerbes befinden, sind einer Pflicht unterworfen, dass sie in denkmalpflegerischen Fragen durch Spezialist*innen begleitet werden müssen. Brücken prägen die Kulturlandschaft ganz wesentlich. Die Einbindung ist dann gelungen, wenn die Brücke nicht als Fremdkörper, sondern als selbstverständlicher Teil der Landschaft wahrgenommen wird. Ein wichtiger Aspekt im Brückenbau ist, dass die regionaltypische Vielfalt, Eigenart und Schönheit der gewachsenen Kulturlandschaft bei der Planung berücksichtigt wird. Aus der Synthese von landschaftsbezogener Gestaltung, ökologischen Belangen und technischen Standards wird Baukultur. Ingenieurbauwerke, insbesondere Brücken, sind wesentlicher Bestandteil unserer Infrastruktur. Sie sind Zeugen der Ingenieurbaukunst und Baukultur ihrer Zeit und können das Bild unserer Städte und unserer Kulturlandschaft aufwerten und bereichern. Der Schlüssel für gut gestaltete Brücken liegt im interdisziplinären Handeln von Ingenieur*innen, Architekt*innen und Landschaftsplaner*innen. Die neue Brücke soll als selbstverständlicher Teil der als Weltkulturerbe eingestuften Bahnstrecke wahrgenommen werden.

Fünf Planer*innenteams wurden eingeladen und reichten ihre Wettbewerbsbeiträge ein. In drei Beurteilungsrunden setzte sich die Jury mit den eingereichten Projekten «acciaio e pietra», «LIVERA», «MIRA», «origine» und «Punt dal Meschin» auseinander. Prämiert wurde der Vorschlag «MIRA» von Bänziger Partner AG, und Ritter Schumacher AG, beide mit Büros in Chur.

Gewürdigt wird das Siegerprojekt von der Jury wie folgt: «MIRA» präsentiert sich als modern ausformulierte und funktionale Brücke mit einer gestalterisch sehr zurückhaltenden Erscheinung. Alle Bauteile der Brückenkonstruktion mit unten liegendem Tragwerk, der Fahrbahn und den Widerlagern folgen einem einheitlichen Konzept und sind aufeinander abgestimmt gestaltet.

Das Projekt folgt der im Grundriss gekrümmten Linienführung und unterordnet sich somit der Bahnlinienführung und unterstützt damit auch die Bedeutung des optimalen Betriebs und Fahrkomforts. Es integriert sich in selbstverständlicher Weise in den Gesamtkontext der eisenbahnhistorisch bedeutenden Bahnanlage. Das bei Eisenbahnen seit jeher verfolgte Konzept, neue Anlagen in das System und die Umgebung zu integrieren, jedoch jeweils wieder nach den aktuellen bautechnischen und betrieblichen Erkenntnissen zu bauen, gleichsam «state oft the art», wird mit «MIRA» auf zeitgenössische Weise weitergeführt.

ewp ist eine Expertin in Wettbewerbsbegleitungen und durfte bereits zahlreiche Wettbewerbe für verschiedene Auftraggeber*innen organisieren und durchführen. Für jeden Wettbewerb ist der Fokus anders zu setzen. Spannend an dieser Ausschreibung war laut Tino Tschenett, Projektleiter, einen Wettbewerb für eine Brücke mit hohen gestalterischen und denkmalpflegerischen Ansprüchen auf einer lokal bedeutenden und wertvollen Bahnlinie der RhB begleiten zu dürfen.

Hier finden Sie den zugehörigen TEC21-Beitrag.

(Bildquelle: RhB)

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Corina Huber
Sachbearbeiterin HR